Dienstag
19. Sept. 2017

19:30 Uhr

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Prof. Dr. Gerhard Engel, Am Mellensee bei Berlin

Alfred Henke, Urgestein der Bremer Arbeiterbewegung

Der Bremer Zigarettenarbeiter, Sozialdemokrat und Gewerkschafter Alfred Henke war längere Zeit Redakteur und Chefredakteur der überregional bedeutenden „Bremer Bürger-Zeitung“, in der Persönlichkeiten wie Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Karl Radek, Anton Pannekoek und Henriette Roland Holst mitarbeiteten. Henke spielte auch eine Rolle im Spaltungsprozess der Bremer SPD 1916 und bei der Entstehung der USPD. Als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates und des Rates der Volkskommissare während der Bremer Räterepublik nahm er bedeutenden Einfluss auf den Verlauf der Revolution 1918/1919. Henke war 1919/1920 Fraktionsvorsitzender der USPD in der Nationalversammlung. Nach seiner Rückkehr in die SPD saß er auf den hinteren Bänken. Henke kehrte 1919 aus umstrittenen Gründen Bremen den Rücken und arbeitete bis 1933 als Stadtrat und Zweiter Bürgermeister im Berliner Stadtbezirk Reinickendorf. Von den Nazis aus dem Amt entfernt, lebte Henke gesundheitlich schwer angeschlagen in „innerer Emigration“ bis zur Evakuierung des 1943 Ausgebombten in die Altmark, wo er völlig vereinsamt unter unwürdigen Bedingungen 1946 verstarb.

Gerhard Engel war Professor für deutsche Geschichte mit der Spezialisierung Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Aus seinen bereits 1965/66 beginnenden Arbeiten über die 'Bremer Linken' gingen u.a. eine umfangreiche Biographie des führenden Kopfes der Bremer Linksradikalen (Internationale Kommunisten Deutschlands) Johann Knief (1880-1919), Dietz Verlag Berlin 2011, sowie eine Biographie über den zeitweiligen Feuilletonisten der „Bremer Bürger-Zeitung“ Dr. Rudolf Franz (1882-1956), edition bodoni Berlin 2013, hervor. Seine biographische Studie über Alfred Henke (1868-1946) erschien in zwei Teilen im JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 2015, Hefte II und III.