Dienstag
13. Februar 2018

19:30 Uhr

Villa Ichon

Goetheplatz 4
28203 Bremen

Stadtplan

Bus/Bahn

Prof. Dr. Jörg Wollenberg, Bremen

„Ganz Deutschland sieht auf uns. Ganz Europa sieht auf uns“ (1918).
Die Bremer Linke auf dem Weg von der Sozialreform zur Revolution.

Im Gegensatz zur Reichsentwicklung gehörte Bremen neben Leipzig schon vor 1914 zu einer der Hochburgen des linken Flügels der Arbeiterbewegung. Die revolutionär orientierten Kräfte der Bremer Linken führten für sich die Selbstbezeichnung „Linksradikale“ ein. Sie gaben ab 1916 die „Arbeiterpolitik“ als „Wochenschrift für den wissenschaftlichen Sozialismus“ heraus, wesentlich geprägt von Johann Knief und Paul Frölich. Und die linken „Zentristen“ im Sozialdemokratischen Verein Bremen trugen mit dem Chefredakteur und Reichstagsabgeordneten Alfred Henke in der Parteizeitung, der Bremer Bürger-Zeitung (BBZ), dazu bei, die linke politische Kultur der Bremer Arbeiterbewegung abzusichern und sich als Sprachrohr der führenden Linken auf Reichsebene zu profilieren. Die informelle Zusammenarbeit aller linken Richtungen wurde so aufrechterhalten.
Nach 1914 gab es keine Stadt in Deutschland, in der die Organisationen des revolutionären Marxismus in der noch nicht gespaltenen Sozialdemokratie eine vergleichbare Basis besaßen. Nicht nur für Rosa Luxemburg galt Bremen deshalb als „Pfeiler des Radikalismus in Deutschland“. Spätestens der Krieg, so hofften sie, gestützt auf die streikbereite Stimmung der Bremer Werftarbeiter, würde für die Masse das Signal zur revolutionären Erhebung sein. Und sie waren es, die gemeinsam am 10. Januar 1919 die Sozialistische Republik Bremen ausriefen.

Jörg Wollenberg war Professor für Weiterbildung an der Universität Bremen. Er veröffentlichte u.a. zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der Arbeiterbewegung und zur regionalen Geschichte des Faschismus. „Krieg der Erinnerungen – Von Ahrensbök über New York nach Auschwitz und zurück. - Eine Spurensuche.“ erschien 2016.