Donnerstag
8. März 2018

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Jörg Kronauer, Köln

„Keinesfalls den Chinesen überlassen“ - Der neue Wettlauf um Afrika

Sie gehört seit Jahren zum Standard-Forderungskatalog jeder Bundesregierung: eine Afrika-Politik Deutschlands und der EU, die der Bundesrepublik stärkeren Einfluss auf dem südlich an Europa grenzenden Kontinent verschafft. Afrika verfügt über riesige Rohstoffvorräte, zumindest einzelne afrikanische Länder kommen als Absatzmärkte für Industrieprodukte aus Deutschland in Betracht. Exklusivere Beziehungen dorthin wären in Berlin wie in Brüssel höchst erwünscht. Während des deutschen G20-Vorsitzes gab es von der Bundesregierung eine neue Initiative in Richtung Afrika: der “Marshall-Plan mit Afrika“ soll es richten. Die Entwicklungspolitik soll stärker für die Ausweitung von Handel und Investitionen genutzt werden, abgesichert mit Hermesbürgschaften der Bundesregierung. Allerdings tut die Bundesregierung sich schwer, sich ökonomisch durchzusetzen: Für viele afrikanische Staaten ist inzwischen China zum wichtigsten Wirtschaftspartner geworden. Auch deshalb setzt die Bundesrepublik mittlerweile immer stärker auf's Militär, um ihre Interessen zumindest in Sachen Flüchtlingsabwehr und beim Kampf gegen Jihadisten zu realisieren: Afrika wird - von Mali bis Somalia - zum Schwerpunktkontinent der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Dabei ist aus Sicht des Auswärtigen Amts eines klar: Entschädigungen für die Kolonialverbrechen des Deutschen Reichs kommen nicht in Frage..

Jörg Kronauer ist Sozialwissenschaftler, Journalist und Mitglied der Redaktion der „Informationen zur deutschen Außenpolitik“ (www.german-foreign-policy.com) . Er schreibt u.a. für die Berliner überregionale Tageszeitung „junge welt“.