Dienstag
11. Dez. 2018

19:30 Uhr

Villa Ichon

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Prof. Dr. Lothar Peter
Gerhard Schäfer, Bremen

1968: Antiautoritäre Revolte oder was sonst?

Noch immer sehen viele Leute in der Studentenbewegung von 1968 nur eine „antiautoritäre Revolte“. Dabei denken sie an die „Kommune 1“, an Polithappenings und sexuelle „Emanzipation“, aber auch an die spektakulären Auftritte von Rudi Dutschke. Tatsächlich hatte die antiautoritäre Tendenz einen erheblichen Einfluss auf die studentische Protestbewegung. Aber neben ihr gab es eine andere wichtige Strömung, von der heute kaum noch die Rede ist. Sie trat vor allem innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes SDS, der unbestritten führenden Organisation der 68-Bewegung, hervor und wurde von ihren Gegnern als „traditionalistisch“ bezeichnet. Die „Traditionalisten“ suchten die Verbindung der Studierenden bzw. der Intelligenz zum linken Flügel der Arbeiterbewegung. Auf die „Traditionalisten“ wollen Gerhard Schäfer und Lothar Peter ihre besondere Aufmerksamkeit richten. Sie wollen aber auch auf aktuelle Versuche eingehen, die Bewegung von 1968 zu diskreditieren. Die 68er seien mitverantwortlich für den Terrorismus der RAF, sie seien eine Wiederholung der Gewalt der Nazi-Studenten und 68 habe den moralischen Verfall der heutigen Gesellschaft ausgelöst.
Mit diesen und anderen Klischees sollen die gesellschaftlichen und politischen Ursachen der 68er-Bewegung verschleiert, ihre progressive Funktion für die Entwicklung der Bundesrepublik geleugnet und Bestrebungen, die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern, als illusorisch oder gefährlich abgetan werden.

Lothar Peter war bis 2006 Professor für Soziologie an der Universität Bremen. Er veröffentlichte ein umfangreiches wissenschaftliches Werk, u.a. "Französische Soziologie der Gegenwart". 2014 erschien "Marx an die Uni. Die 'Marburger Schule'."

Gerhard Schäfer ist Sozialwissenschaftler . Er veröffentlichte im Bereich Soziologiegeschichte, insbesondere zu Werk und Biografie von Helmut Schelsky.