„Linker Antisemitismus“ – Zur Kritik eines Kampfbegriffs

Wann

18. September 2026    
19:00

Wo

Villa Ichon
Goetheplatz 4, Bremen, 28203

„Linker Antisemitismus“ – Zur Kritik eines Kampfbegriffs

Gerhard Hanloser, Berlin

Die Behauptung, es gäbe einen gefährlichen »linken Antisemitismus«, erfuhr nach dem 7. Oktober eine drastische Verschärfung. Was bislang noch ein Diskurs war, der mit Konstruktionen, Unterstellungen und Lügen operierte, wurde verpolizeilicht. Der Vorwurf zielt auf antiimperialistisch, antikolonial oder menschenrechtlich eingestellte Linke. Wer die deutsche Staatsräson nicht teilt und andere Lehren aus NS-Geschichte, vergangener Verfolgungspraxis und Völkermord zieht, sieht sich moralischer Verdammung, zuweilen Verfolgung ausgesetzt. Die nach wie vor höchst notwendige Kritik des Antisemitismus muss sich ebenfalls diesem demagogischen »Anti-Antisemitismus« widmen.

Gerhard Hanloser, Jahrgang 1972, ist Soziologe und Pädagoge. Sein Schwerpunkt ist die Geschichte der bundesrepublikanischen und deutschen Linken sowie Geschichte des Antisemitismus. Bei Mandelbaum hat er die Bände „Linker Antisemitismus?“ (2026) und „Identität & Politik. Kritisches zu linken Positionierungen“ (2022) herausgegeben. Er lebt und arbeitet als Lehrer und Publizist in Berlin.