Heinrich Vogeler und Georg Grosz – durch die Schrecken des Krieges zur politischen Kunst

Wann

24. November 2026    
19:00

Wo

Villa Ichon
Goetheplatz 4, Bremen, 28203

Heinrich Vogeler und Georg Grosz – durch die Schrecken des Krieges zur politischen Kunst

Dr. Angelina Sörgel, Bremen

Es gibt keinen Zweifel: George Grosz, Heinrich Vogeler waren große Künstler, politische und sozialistische Künstler. Sie wehrten sich gegen Militarismus und Kriegsgefahr, sie klagten Entrechtung und Klassenjustiz an, sie wandten sich gegen Klassenjustiz und faschistische Gewalt. Vor dem ersten Weltkrieg waren beide Künstler noch abseits der fortschrittlichen sozialen Bewegungen, noch weit entfernt von den politischen Debatten der Arbeiterbewegung um die Rolle der Kunst. Vogeler war ein herausragender Vertreter des Jugendstils und Liebling des Bremer Bürgertums, Grosz, eher ein freundlicher Satiriker im Stil des Simplizissimus. Das änderte sich mit den Schrecken des Ersten Weltkrieges und der Perspektive einer sozialistischen Utopie im Gefolge der Oktoberrevolution 1917. Es führte zum Bruch bei beiden Künstlern – biographisch wie künstlerisch.
George Grosz gründete mit anderen die „Novembergruppe“ im Kontext der deutschen Novemberrevolution und rief zur Tendenzkunst im Dienst der revolutionären Sache auf. Er klagt mit seiner Kunst die Schattenseiten der Weimarer Republik an: Elend, Armut, Prostitution, Kriegsgewinnler, Bonzen und Bosse, Militär und Militarismus.
Heinrich Vogeler wandelt seine Jugendstilvilla mit Park in eine spartanische Arbeitskommune, eine Art kommunistische Insel im kapitalistischen Staat. Er schließt sich der Arbeiterbewegung an und gestaltet seine Kunst nach den Lebensbedürfnissen des Proletariats.
Während man Grosz noch so wie aus der Weimarer Republik kennt, berühmt und berüchtigt, spricht man bei Vogeler vom „Bruch“ eines Träumers und sucht angestrengt nach Anzeichen seiner Distanzierung von der KPD und der Sowjetunion. Das ist nur möglich bei Herauslösung aus dem historischen Kontext: der Stärke der Linken in der Weimarer Republik und ihrer engen Verbundenheit mit der Sowjetunion. Das soll im Vortrag begründet und diskutiert werden.

Angelina Sörgel, Dr., Dipl.-Ök., geb.1948, wiss. Mitarbeiterin an der Universität Bremen, Referentin bei der Arbeiterkammer Bremen, im Stab der Bürgermeister H. Scherf und J. Böhrnsen, Mitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (bis 1991), Wissenschaftlicher Beirat des IMSF (bis 1989), Beirat Östliche Vorstadt, Mitgründerin der Bremer Initiative gegen Bahnlärm (2010), Sonntagsmalerin, zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen.